Josef Kraus
Verfasser: Simon Bornschlegel, Manfred Brösamle-Lambrecht
Textilkaufmann in Lichtenfels
Josef Kraus (1896-1942), Sohn von Carl Kraus, lernte Kaufmann und arbeitete im väterlichen Geschäft am Markt 21.
Er war in der (linksliberalen) DDP politisch aktiv und ein persönlicher Freund des späteren Bundesjustizministers Dr. Thomas Dehler. Er blieb unverheiratet und versuchte nicht zu emigrieren, vielleicht um den alten Vater nicht alleine zu lassen.
Opfer nationalsozialistischen Völkermordes
1938 wurde nach fast 50 Jahren das Textilgeschäft von den Nazis geschlossen, 1939 musste die Familie ihr Geschäfts- und Wohnhaus am Markt weit unter Wert an Nichtjuden verkaufen. Wie alle verbliebenen Lichtenfelser Juden musste Josef mit seinem Vater in das überfüllte „Schächterhaus“ neben der Synagoge ziehen.
Am 24. April 1942 wurde Josef Kraus zusammen mit insgesamt 955 fränkischen Jüdinnen und Juden im Deportationszug Da 49 über Krasnystaw in das ostpolnische Ghetto Krasnyszin verbracht. Nach Aussagen eines Bekannten war er zu der Zeit an offener TB erkrankt. Vermutlich am 6.6.1942 wurde er im Vernichtungslager Sobibór ermordet.
Vier Tage vorher wurden von seinem (gesperrten) Guthaben beim Bankhaus Wunder & Co (arisiertes Bankhaus A.E. Wassermann) noch 2.500 Mark für Deportationskosten eingezogen.